Gelegentlich surfe ich mal auf die Seiten der Verbraucherzentralle Hamburg. Dort gibt es häufig gute Test und offene Worte. Ein Beitrag unter „Geldanlage/Vorsorge“ vom 12.01.2010 hat mich allerdings erstaunt:
„Keine Kapitallebens- oder private Rentenversicherung abschließen!
Wir raten Ihnen dringend: Schließen Sie keine Kapital-Lebens- oder private Rentenversicherung ab. Sie gehören zu den schlechtesten „Produkten“ für die Altersvorsorge[…]
Es gibt bessere Möglichkeiten. Wer eine Familie absichern muss, sollte eine (sehr preisgünstige) Risiko-Lebensversicherung abschließen. Ist dann noch Geld zum Sparen da, steht ein „Riester“-Vertrag (Sparplan bei Bank oder Sparkasse oder Fondssparplan) an erster Stelle. Bis zur Größenordnung von 10.000 – 15.000 Euro sind Sparpläne von Bank oder Sparkasse oder Bundesschatzbriefe zu empfehlen.[…]“
Die Qualität dieses Beitrages erinnert mich dann eher an populistisches Anpreisen einer Produktalternative. Aber die Verbraucherzentrale verkauft keine. Meines Erachtens sind bei der Argumentation der Verbraucherzentrale folgende Fehler:
Das Laufzeit-Argument
Natürlich ist es nachteilig, wenn man nach wenigen Jahren in der Ansparphase abbricht. Der Rückkaufwert ist dann geringer, als hätte man in Sparplänen oder Fonds investiert. Aber eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung ist aber der Baustein im Vermögensaufbau, der nunmal optimalerweise bis zur Rente bespart wird. Sollte einem zwischenzeitlich das Geld ausgehen, stoppt man flexiblere Verträge wie z.B. Fondssparpläne. Deshalb investiert man ja in unterschiedliche Formen.
Der Steuervorteil
Der steuerliche Aspekt wird hier überhaupt nicht berücksichtigt. Und das wundert mich am meisten, denn dies ist ja gerade DAS Argument für diese Form der Altersvorsorge. (Siehe meinen Beitrag zu den Rentenversicherungen).
Die bessere Möglichkeit Risiko-Lebensversicherung
Dieser Vorschlag ist in meinen Augen der blanke Hohn. Eine Risiko-Lebensversicherung kann man für den Vermögensaufbau (bzw. für Kleindenkende: Altersvorsorge) gar nicht benutzen, weil nur das Todesfallrisko abgesichert wird. Gut beim Hausbau, bei der Altersvorsorge ungefähr so praktisch wie die Haftpflichtversicherung.
Liebe Verbraucherzentrale, statt auf den Wirtschaftskrisen-Zug aufzuspringen und Produkte anzupreisen, bei denen man eventuell grad mal die Inflation ausgleichen kann, solltet ihr vielleicht mal das Produkt objektiv erklären.
Ich predige das hier ja immer wieder: Anlageprodukte sind Instrumente, nur wer sie für sich richtig einsetzt, kann die Vorteile nutzen. Aber nur weil der Hammer zum Sägen nicht taugt, muss man keine Zange empfehlen.