Renaissance der Zertifikate
3. Mai 2010 von talerzucht
Nachdem ich am Wochenende wieder lange über Webseiten mit Finanzthemen gesurft bin, ist mir eine Sache aufgefallen: Überall sind Werbebanner, Advertorials und PopUps von Handelssoftware, Depots und Hebelzertifikaten geschaltet – besonders mit den Hebeln wird gern geworben. Da wird einiges versprochen: Privatdepots, mit denen man locker mit geringem Einstieg riesige Gewinne einfährt, oder Videotutorials, die einem mal eben erklären, wie man als gehaltsfrustrierter Hobby-Trader nebenbei ein paar Tausender scheffelt.
Die Anbieter scheinen aus der Krise gelernt zu haben. Überall sind die Risiken verdeutlicht, hohe Verlustmöglichkeiten angezeigt. Schadensersatzprozesse wird es zukünftig wohl so schnell nicht geben. Ich frage mich allerdings, ob die Verbraucher irgend etwas gelernt haben. Der hohe Werbedruck von Spekulationsangeboten ist natürlich kein Garant für viele Kunden, aber man kann sicherlich Interesse bei den Kunden vermuten. Überall werden neue Zertifikate aufgelegt, das würde ohne Nachfrage wohl kaum passieren. Die Krise hat diese Produkte offenbar erst populär gemacht.
Und das ist erstaunlich, wenn sich überlegt, durch welche Produkte und Anlagemethoden in der Wirtschaftskrise sowohl bei Privatanlegern als auch Unternehmen so viel Geld verbrannt wurde. Warum sich viele Kleinanleger betrogen fühlen. Und warum es Bad Banks gibt. Wer jetzt denkt, dass das vielleicht an den hohen Renditechancen liegt, der schaue sich mal die Zertifikate bei der Bank mit dem grünen Kasten (mit Sternen gefüllt) an. Neulich war ein hochspekulatives Papier im Angebot, Totalverlustrisiko ausdrücklich erwähnt. Dort wird die Rendite mit einer Obergrenze von 10% gedeckelt und die anteiligen Dividenden werden nicht ausgezahlt. Kein Risiko für die Bank, wenn es gut läuft aber saftige Gewinne. Naja, der Anleger bekommt aber etwas ab…

